Die PENTALOGIE rot oder tot

„rot oder tot“ ist ein immersives Schauspiel zu politischer Partizipation und der (Re-) Konstruktion von Geschichtsverlauf und Erinnerung. Carolin Millner entwickelt zusammen mit ihrer Künstlergruppe Eleganz aus Reflex ein fünfteiliges Serienformat, welches die Zuschauer*innen dazu einlädt, Wendepunkte von DDR Geschichte neu zu entscheiden und zu diskutieren.  „rot oder tot“ nimmt die Entwicklung von Kulturpolitik im Spiegel von Künstler*innenbiographien in der DDR unter die Lupe.

„rot oder tot“ ist ein Gedankenexperiment zu kontrastierenden Verläufen von Geschichte, zu Meinungsbildung und Entscheidungen in disparaten Gruppen. Die Besonderheit der „rot oder tot“-Abende liegt darin, dass die Zuschauenden an Wendepunkten in den Verlauf der Geschichte eingreifen und diese verändern können. Die Zuschauenden sind dazu eingeladen, innerhalb eines Rollenspiels - angeleitet durch Performer*- und Schauspieler*innen - Teil einer fiktionalisierten DDR zu werden. Somit haben sie im Verlauf des Spiels die Möglichkeit, auf die Entwicklung der Geschehnisse Einfluss zu nehmen. Die Rolle des Publikums verändert sich im Verlauf des Abends ständig: Zu Beginn Zuschauende, werden sie während der Inszenierung zu Entscheider*innen und als Gruppe, aber auch einzeln, konspirativ angesprochen. Je nach gegebener Antwort ändert sich dementsprechend der Verlauf des Abends. Jede Entscheidung führt in direkter Konsequenz zu einer anderen Folgeszene – dabei können die unterschiedlichen Verläufe auch wieder zusammenführen. Die Verläufe orientieren sich einmal am realen Verlauf der Geschichte, und an einer alternativen, einer dystopischen und einer utopischen Realität.

 

Methoden, Vorgehen

Für jede der fünf Folgen entwickeln wir einen Plot, der sich an verschiedenen Abschnitten und Milieus der DDR-Geschichte orientiert. Der Plot jeder Folge ist jeweils grob situiert in einem Jahrzehnt der DDR. Aus der jeweiligen Dekade greifen wir historische Situationen heraus, die, insbesondere für Künstler*innen, Wendepunkte markieren. Die Textgrundlage für die Stückentwicklung bilden u.a. Romane, Gedichte, Tagebücher und Filme aus der DDR. Unsere Figuren orientieren sich an realen historischen Persönlichkeiten, aber auch an fiktiven Figuren. Unser Ausgangsmaterial ist das, was von der DDR übriggeblieben ist. Unser Fokus liegt auf künstlerischen Auseinandersetzungen mit der DDR, welche zur Zeit ihres Bestehens entstanden sind. Das Material wird zum Sprungbrett, zum Möglichkeitsraum für eigene Fiktionen.

Jede Folge ist autark und steht für sich, hat ein anderes Bühnenbild, eine andere Besetzung und eine eigene Ästhetik. Während die erste Folge auf den 50er Jahren basierte und die Textgrundlage vor allem aus politischen Diskussionen und öffentlichen Debatten bestand, ging es in der zweiten Folge um die 60er Jahre und das Politische im Privaten. In der ersten Folge war der Raum ein offener, in sechs verschiedene Kulissen unterteilt, zwischen denen sich die Zuschauenden hin und her bewegen mussten,. Der zweite Abend bot einen klaustrophobischen Raum an, in dem zwischen öffentlich und privat hin und her gewechselt wurde.  Während die zweite Folge sich ausschließlich mit den Familien Brasch / Wegner befasste und anhand deren Schicksal  die Auswirkungen der Parteipolitik veranschaulicht wurden, so versammelten sich in der ersten Folge 15 Kunstschaffende und Kulturfunktionäre, die von den vielen Schattierungen und Strömungen auch innerhalb der Partei zeugten.

Für alle Folgen spielt das Immersive eine große Rolle. Wir wollen die Zuschauer*innen in unseren Abenden so einbinden, dass sie den Eindruck bekommen, sie befänden sich mittendrin. Sie werden konkret angesprochen, dennoch bleibt das Schauspiel erhalten und es entsteht kein reiner Diskussionsabend. Diese Balance zwischen Spielenden und involvierten Zuschauenden zu finden ist unser Ziel.