Der Zugriff auf Dea Lohers Stück erfolgte insbesondere mit dem Fokus auf den Wunsch des Auserwähltseins; das mit dem eigenen Leben etwas Besonderes passieren müsse. Wer gilt heute als besonders oder auserwählt, welchen neuen Ikonen folgen wir?

BNN, Sibylle Orgeldinger, 06.07.2015, Kritik zum Gaunerstück
"Wie fiktive Welten das alltägliche Leben beeinflussen, wie die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, darauf fokussiert sich Carolin Millner in ihrer Inszenierung. (...)In ihrer Inszenierung stellt Carolin Millner zahlreichen szenischen und musikalischen Zitaten aus populären Hollywoodfilmen wie „Pretty Woman“ oder „Pulp Fiction“ verwackelte Videosequenzen in Schwarz-Weiß gegenüber. Dazu passen die Kostüme von Carla-Luisa Reuter und das Bühnenbild von Nils Wildegans: Sie vermitteln den Eindruck von Glamour ohne Substanz. Über allem schwebt ein pompöser Kronleuchter – zweidimensional auf Stoff gedruckt. (...)Realistisch ist das Stück ebenso wenig wie ein Hollywood-Film. Aber es birgt komisches Potenzial, das die Regisseurin geschickt zu nutzen weiß."

Badisches Tagblatt, Thomas Weiss, 06.07.2015, Kritik zum Gaunerstück
"Millner spielt mit den Mythen Hollywoods, zitiert leicht parodierend Quentin Tarantino. Ansonsten sorgt die filmschnittartige Montagetechnik für rasche Tempowechsel, wobei sich die Aufführung immer wieder poetische Inseln gönnt.
(...) Auf einem goldfarbenen Podium (Bühne Nils Wildegans) gehen Jesus Maria und Maria ihren Tagträumen nach. Die Sympathie mit den beiden, die auch zu brutalen, menschenverachtenden Ausbrüchen neigen, wird durch die differenzierten Leistungen der Darsteller immer wieder infrage gestellt. Die Diskrepanz zwischen den Äußerungen der Personen und deren oft entgegengesetzten Handlungsweisen kommt (...) bei allen drei Spieler*innen zum Tragen. (...)Die optische Diskrepanz zwischen schickem Erscheinungsbild und der Unsicherheit der Figuren wird da geschärft. Vieles wird nur kurz angerissen wie eine mögliche inzestuöse Beziehung der Geschwister. Doch am Ende (...) können sie die Ödnis ihrer Existenz nicht überwinden."

Nur Hollywood schreibt das perfekte Leben: Das Zwillingspaar Maria und Jesus Maria ist auf der Suche nach dem Wunder. Der Startpunkt ihrer Lebenserzählung ist alles andere als ideal. Ihr Vater, ein Spanier, dem sie ihre ungewöhnlichen Namen verdanken, verlässt ihre Mutter sehr früh. Irgendwann verlassen auch die Kinder ihre alkoholkranke Mutter, fest entschlossen, sich ihren Teil vom Leben zu ergattern – zu ergaunern, wenn es sein muss. Das wahre Leben lauert in den Auslagen der Juweliergeschäfte, man muss nur zugreifen, es sich nehmen, und schon läuft das Leben wie im Film. Im Wohnturm zwischen der transsexuellen Wahrsagerin Madame Bonafide und dem sensiblen Sex-Filmer Porno-Otto träumen die beiden von dem großen Coup. Doch dann kommt das Wunder - Herr Wunder, ein Juwelier mit ganz eigenen, überraschenden Plänen...

Mitwirkende
Regie: Carolin Millner | Bühne: Nils Wildegans | Kostüm: Carla-Luisa Reuter | Dramaturgie: Brigitte Ostermann | Spieler*innen: Sophia Löffler, Thomas Halle, Jan Andreesen | Mentor: Armin Petras

Die Inszenierung ist Carolin Millners Abschlussarbeit als Regiestudentin der HfMDK Frankfurt am Main. Die Produktion lief im Sommer 2015 am Badischen Staatstheater Karlsruhe und wurde von Armin Petras betreut.