LOB

Megalomania Magazin Frankfurt am Main, Gina Stöcklein, November 2017, Kritik zu rot oder tot, Folge 2: Der Weltfrieden hat nichts mit Dir zu tun.
"Die Schauspieler und das Bühnenbild verzichten auf großes Tamtam. Mit der direkten Rede in das Publikum hinein und dem stetigen direkten Blick, fühlt sich der Zuschauer einbezogen. Durch die interaktive Rolle des Publikums bleibt die ganze Zeit ein bisschen Irritation, Spannung und Neugierde im Raum verhaftet. Gefesselt folgt man so dem von uns selbst entschiedenen Ablauf... Die Inszenierung war mitreißend. Einerseits durch die familiäre Geschichte emotional berührend und andererseits gerade wegen der aktiven Mitwirkung unsererseits an der Narration des Abends. Das Stück hinterließ einen bleibenden Eindruck und viel Raum für Diskussion und Interpretation. Das Publikum war mitgenommen von der Aufführung und dankte es mit gebührendem Applaus, welcher definitiv von Begeisterung sprach. Als grandiose Darsteller entpuppten sich an diesem Abend Niolai Gonther, Andreas Jahncke und Magdalena Wabitsch."

 Amdreas Jahncke, Magdalena Wabitsch

Amdreas Jahncke, Magdalena Wabitsch


Cellesche Zeitung, Hartmut Jakubowski, 12. September 2017, Kritik zu KELLY BASTIAN
„'Kelly Bastian' spiegelt in eindrucksvoller Weise einen wichtigen Teil bundesdeutscher Geschichte wider. In ihrer Inszenierung verzichtet Regisseurin Carolin Millner bis auf einige Stühle und Videoeinspielungen auf jegliche Requisiten und setzt ganz auf die mehr und mehr ansteigende Spannung durch das gesprochene Wort in allen Facetten. Und das ist gut so. Die tödlichen Schüsse, die Gert Bastian zunächst auf seine Partnerin im Schlaf und dann auf sich selbst abgibt, bleiben dagegen erfreulich unspektakulär. Was hat sich seither geändert? Fragen, die jeder Zuschauer am Ende für sich selbst beantworten muss. Langer, kräftiger Beifall am Schluss für eine rundum gelungene Aufführung."


FAZ, Matthias Bischoff, 20.06.2016, Kritik zu Muttersprache מאַמע-לאָשן
"Lediglich weiße Vorhänge bilden das Bühnenquadrat im studioNAXOS. Dahinter kommt ein weiterer Vorhang zum Vorschein und als nach knapp 80 Minuten der Raum kahl ist, gibt es nichts weiter zu sagen, versiegen die Sprechakte, verschwinden die Figuren. Sophie Pfenningstorf, Annemarie Falkenhain und Gabriele Nickolmann sprechen zunächst ohne genaue Rollenzuordnung als Großmutter Lin, Mutter Clara und Enkelin Rahel. Die drei Frauen sprechen Brieftexte, unter anderen an einen nie anwesenden Sohn beziehungsweise Bruder, sie kämpfen miteinander, sie ringen um die Vorherrschaft. Jeweils zwischen Mutter und Tochter ist die Hauptlinie dieser Rededuelle, die bissig, scharfzüngig, voller böser Pointen sind und naturgemäß an kein rechtes Ende kommen. Millners Inszenierung bleibt dicht an den Figuren dran, sie lässt sie mitunter körperlich die gleichen Bewegungen vollführen und verlässt sich dabei ganz auf den Text. Als kreisender Diskurs über jüdische Identität, über jüdisches Leben nach 1945 in der DDR, vor allem als Psychogramm der konfliktträchtigen Mutter-Tochter-Beziehung stellt der Abend aber vor allem Fragen und lässt die Figuren und die Zuschauer damit absichtsvoll allein."

 Gabriele Nickolmann, Sophie Pfennigstorf, Annemarie Falkenhain

Gabriele Nickolmann, Sophie Pfennigstorf, Annemarie Falkenhain


FAZ, Jürgen Richter, 29.10.2015, Kritik zu wenn ich was anderes machen würde, würde ich vielleicht nicht immer ans geld denken
"Ihre Protagonisten - Anabel Möbius, Ines Schiller und Oliver Konietzny - verkörpern eine gleichermaßen überhebliche wie eifersüchtige Gesellschaft. Ihre meist unsinnige oder wie eine hängende Schallplatte wiederholte Konversation steht im Gegensatz zu ihren Konventionen des Umgangs vom Diener bis zum Hofknicks. Die aggressiven und immer wieder in Nonsens aufgelösten Ansagen werden als beschwingter Reigen ausgespielt. Ringsum leuchten die prosaischen Videoansichten aus dem Frankfurt von heute als Kontrast zu den Kostümen von gestern, bis sie sich am Schluss in Flammen auflösen. Die Verbindung weit entfernter Epochen hat nicht nur optische Reize, das Puzzle fragmentarischer Textbausteine entbindet von der Pflicht, alles ernst zu nehmen."

Anabel Möbius (h.l.) und Ines Schiller (v.r.) in "wenn ich was anderes machen würde, würde ich vielleicht nicht immer ans geld denken" von Felicia Zeller


BNN, Sibylle Orgeldinger, 06.07.2015, Kritik zum Gaunerstück
"Wie fiktive Welten das alltägliche Leben beeinflussen, wie die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, darauf fokussiert sich Carolin Millner in ihrer Inszenierung. (...)In ihrer Inszenierung stellt Carolin Millner zahlreichen szenischen und musikalischen Zitaten aus populären Hollywoodfilmen wie „Pretty Woman“ oder „Pulp Fiction“ verwackelte Videosequenzen in Schwarz-Weiß gegenüber. Dazu passen die Kostüme von Carla-Luisa Reuter und das Bühnenbild von Nils Wildegans: Sie vermitteln den Eindruck von Glamour ohne Substanz. Über allem schwebt ein pompöser Kronleuchter – zweidimensional auf Stoff gedruckt. (...)Realistisch ist das Stück ebenso wenig wie ein Hollywood-Film. Aber es birgt komisches Potenzial, das die Regisseurin geschickt zu nutzen weiß."

Badisches Tagblatt, Thomas Weiss, 06.07.2015, Kritik zum Gaunerstück
"Millner spielt mit den Mythen Hollywoods, zitiert leicht parodierend Quentin Tarantino. Ansonsten sorgt die filmschnittartige Montagetechnik für rasche Tempowechsel, wobei sich die Aufführung immer wieder poetische Inseln gönnt.
(...) Auf einem goldfarbenen Podium (Bühne Nils Wildegans) gehen Jesus Maria und Maria ihren Tagträumen nach. Die Sympathie mit den beiden, die auch zu brutalen, menschenverachtenden Ausbrüchen neigen, wird durch die differenzierten Leistungen der Darsteller immer wieder infrage gestellt. Die Diskrepanz zwischen den Äußerungen der Personen und deren oft entgegengesetzten Handlungsweisen kommt (...) bei allen drei Spieler*innen zum Tragen. (...)Die optische Diskrepanz zwischen schickem Erscheinungsbild und der Unsicherheit der Figuren wird da geschärft. Vieles wird nur kurz angerissen wie eine mögliche inzestuöse Beziehung der Geschwister. Doch am Ende (...) können sie die Ödnis ihrer Existenz nicht überwinden."

 Sophie Löffler in "Gaunerstück" von Dea Loher

Sophie Löffler in "Gaunerstück" von Dea Loher


Mannheimer Morgen, Kritik zur Kleinbürgerhochzeit
"Auf einem überdimensioniert karierten Papierbogen zeichnet eine idealbesetzte Sidonie von Krosigk schematisch die Sitzordnung als lebensgroßes Spielbrett der Eitelkeiten, worauf sie herrlich komisch in distanzierter Haltung sämtliche Rollen bekleidet. (...) Reich an Brechts scharfsinnigem Spott, markiert die präzise Inszenierung zweifelos einen Höhepunkt des Festivals."


OUTNOW! festival ePaper, Kritik zur Kleinbürgerhochzeit
"Carolin Millner dekonstruiert beherzt Brechts Kleinbürgerhochzeit und rekonstruiert sie zugleich. (...) Sidonie von Krosigk nimmt die Position (...) einer Person ein, wechselt zur nächsten und entwickelt so einen vielstimmigen Monolog, der die Stimmung der Festgesellschaft nachzeichnet. In einer beeindruckenden Performance werden die verschiedenen Figuren gegeneinander ausgespielt. Die Stimmen sind verzerrt und verfremdet, gleiten ins Groteske, nachdem sie sich wie eine zu langsam ablaufende Platte mühsam aus der Stille heraus gearbeitet haben."

 Sidonie von Krosigk in "Die Kleinbürgerhochzeit" von Brecht

Sidonie von Krosigk in "Die Kleinbürgerhochzeit" von Brecht


Hamburger Abendblatt und die Welt, Kritik zu Truthahn und Knochen und Essen und es gefiel uns
"Befremdlich beginnt es. Die ersten 15 Minuten wird der schwere Bühnenvorhang nur kurz unten gelüftet und gibt ein Paar Füße frei. Der folgende Vortrag ähnelt einem Hörspiel. Später kommt es dann doch zu Interaktion. Die Texte Steins folgen der Theorie des Bewusstseinsstroms und sind erst einmal unverständlich. Bald erhellt sich, es geht irgendwie um ein Thanksgiving-Essen, und etwas läuft schief. Teller fallen klirrend auf den Boden. Der Text könnte ebensogut zu einem Psychothriller gehören wie zu einer Liebesgeschichte. Was genau, halten die Darstellerinnen erfrischend offen. Ein charmantes kleines Sprachkunstvergnügen."


Hamburg Tourismus Blog, Kritik zu Truthahn und Knochen und Essen und es gefiel uns
"In der Vorankündigung steht, dass der zugrunde liegende Text der amerikanischen Autorin Getrude Stein nicht erklärt werden müsse und er von ihnen so gespielt werde, wie es ihnen gefällt. Und mir gefällt es! Die Inszenierung von Carolin Millner schafft es, sich unaufdringlich aber eindringlich dem Sprachwerk zu nähern und dessen Eigenschaften zu übertragen. Die Darstellerinnen beginnen ihr Spiel mit einem Fuß-Theater – der Vorhang verdeckt den Rest ihrer Körper. Zärtlich und neckisch und dann auf einmal bedrohlich kommunizieren die Individuen mittels ihrer Füße. Auf der Bühne entsteht ein spannendes, sensibles Schauspiel, das einen sehr ästhetischen Zugang zu Steins Stück bietet."

 Ines Schiller und Carolin Millner (wegen Krankheitsausfall von Regina Vogel bei der Kalstart Pro Aufführung in Hamburg) in "Truthahn und Knochen und Essen und es gefiel uns" von Gertrude Stein

Ines Schiller und Carolin Millner (wegen Krankheitsausfall von Regina Vogel bei der Kalstart Pro Aufführung in Hamburg) in "Truthahn und Knochen und Essen und es gefiel uns" von Gertrude Stein


Hanauer Anzeiger, Kritik zu Frau Trude
"Frau Trude erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich seinen Ängsten stellen und dem Wunsch nach Emanzipatät und Sexualität nachgehen möchte. In einem schrillen Nachahmen der elterlichen Stimme der Vernunft und den Einwürfen des eigenen Spiegelbildes kamen fast schon schizophrene Züge zum Vorschein. Mit Schattenspielen und unheimlicher Musik stellte sich die Geschichte von Frau Trude der Adoleszenz eines Mädchens, die tragisch enden kann."


HR2 Kultur, Kritik zu Frau Trude
"Wer hat Angst vor den Gebrüdern Grimm? Ein enges Kammerspiel (...) Es wirkt der Reiz des Verbotenen geradezu magnetisch (...) Es hat etwas, was sonst die Kamera nur bei Horrorfilmen erreicht. Sehr überzeugend."

 Sabrina Frank und Sidonie von Krosigk in "Frau Trude" von den Gebrüdern Grimm

Sabrina Frank und Sidonie von Krosigk in "Frau Trude" von den Gebrüdern Grimm