Der Weg des Mädchens zu Frau Trude gegen den Willen der Eltern, der eigenen Neugierde folgend, verstehen wir als Prozess der Emanzipation des Ichs und der Selbsterkenntnis. 

Hanauer Anzeiger, Kritik zu Frau Trude
"Frau Trude erzählt die Geschichte eines Mädchens, das sich seinen Ängsten stellen und dem Wunsch nach Emanzipatät und Sexualität nachgehen möchte. In einem schrillen Nachahmen der elterlichen Stimme der Vernunft und den Einwürfen des eigenen Spiegelbildes kamen fast schon schizophrene Züge zum Vorschein. Mit Schattenspielen und unheimlicher Musik stellte sich die Geschichte von Frau Trude der Adoleszenz eines Mädchens, die tragisch enden kann."

 

HR2 Kultur, Kritik zu Frau Trude
"Wer hat Angst vor den Gebrüdern Grimm? Ein enges Kammerspiel (...) Es wirkt der Reiz des Verbotenen geradezu magnetisch (...) Es hat etwas, was sonst die Kamera nur bei Horrorfilmen erreicht. Sehr überzeugend."

Das Eigene beginnt mit einem Nein. Mit einer Verweigerung, dem Gefühl etwas Anderes zu wollen, als das, was gewollt wird. Dieses Unbehagen an dem, was gefordert ist kann verschwommen sein, eine Ahnung nur, es braucht noch nicht einmal eine Vorstellung von dem, was die Alternative wäre, es reicht zu wissen, was für einen selbst nicht in Frage kommt. Aber in diesem ersten Nein schält sich das Eigene heraus. In diesem Moment, in dem etwas nicht mehr als selbstverständlich wahrgenommen wird, indem eine Gewissheit plötzlich ungewiss, indem das Fraglose plötzlich zweifelhaft wird, in dieser Bruchstelle entsteht das Ich.
— Carolin Emcke: Wie wir begehren

Mitwirkende                                                                                                                                                             
Regie: Carolin Millner & Daniel Schauf | Bühne: Sabine Born | Kostüm: Nils Wildegans | Dramaturgie: Caroline Rohmer | Musik: Johannes Reischmann | Spieler*innen: Sabrina Frank, Sidonie von Krosigk

Wir glauben, man muss vom Bekannten ins Unbekannte, um etwas Neues und Anderes zu erfahren, als nur das, was einem von außen angetragen wird und um die Möglichkeit zu haben, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und das was die eigene Persönlichkeit ausmacht. Dabei wird dem Individuum die Möglichkeit eröffnet, sich dem Konstrukt der äußeren Konventionen bewusst werden zu können. 

Der Gang zu Frau Trude wird daher verstanden sowohl als konflikthafte Auseinandersetzung des Menschen mit dem Außen (Gesellschaft) als auch mit dem Innen (dem eigenen Selbst, welche Seiten an mir muss/kann ich akzeptieren?). Diese beidseitige Auseinandersetzung greift in den drei Erzählphasen des Märchens ineinander.

Die Inszenierung wurde als Gastspiel ins Comoedienhaus Hanau, in den Heidelberger Zwinger und ins WillyPraml Theater Frankfurt/Main eingeladen.